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Text "Die Geschichte der Leichtathletik
in Ahlen" von Dieter Massin

Letzte Änderung: 12.12.2010

Geschichte
der Leichtathletik im FLVW - Kreis Beckum

aufgeschrieben von Eberhard Vollmer mit Unterstütung von Dieter Massin

die fünfziger Jahre

Das Sportliche Die Veranstaltungen Die Vereine / die Funktionäre
Es gibt kaum noch Augenzeugen, die sich an die besten Kreis-Leichtathleten dieser Zeit erinnern. Lange gehalten hat der Rekord des Dreispringers Heinz Jächter (Ahlen), den er bei den deutschen Jugendmeisterschaften 1959 in Offenburg erreichte. In der deutschen B-Jugend-Bestenliste 1958 belegt Klaus Stracke (Ahlen) im 1000m-Lauf Platz 1 mit in Sendenhorst gelaufenen 2:38,0 Min.
Erstmals nehmen Leichtathleten aus Ahlen an Westfalenmeisterschaften teil: Fanny Teske und Klaus Kuhlmann sind die Erfolgreichsten. Der SSV Westfalia Ahlen hat mit Karl Kreienfeld einen Fachmann als Trainer.
Wettkämpfe finden im Jahnstadion Beckum, in Oelde (Grasbahn!) und in Ahlen auf der Glückauf-Kampfbahn (heute Wersestadion) sowie auf der  Jahnwiese statt. Ende der fünfziger Jahre wird in Ahlen der Lindensportplatz erstmals umgebaut und nach einer weiteren Renovierung für mehr als 20 Jahre das Zentrum des Wettkampfgeschehens in Ahlen und im Kreis. 1954 schließen sich in Westfalen Fußballer und Leichtathleten zum FLVW zusammen. Erster KLO des Kreises Beckum wird Ernst Bornemann (TuS Ahlen), gefolgt von Heinz Willmes (Turngemeinde Ahlen).
Etwa ab 1956 aktivieren zunächst "Fitti" Vennemann und Willy "der Alte" Massin, dann die Gebrüder Rolf und Dieter Massin die Leichtathletik im SSV Westfalia Ahlen.
Während der TuS 01 Heessen den Ost-West-Kontakt (in die damalige DDR) pflegt, beginnt der SSV Westfalia Ahlen  05/06 mit Wettkampfreisen zu befreundeten Vereinen im Ausland (zuerst 1956 nach Rotterdam).

die sechziger Jahre

Das Sportliche Die Veranstaltungen Die Vereine / die Funktionäre
Aus dem SSV Westfalia Ahlen gehen viele Athleten hervor, die in Westfalen mitreden können. Bekannte Namen dieser Zeit: Bodo Stein und die Gebrüder Kuhn (Sprint), Horst Güldenpfennig (Langstrecke), Bernd Linnemann (Hochsprung, erster 2-Meter-Springer im Kreis und zweitweise Westfalenrekordler), Paul Becker (Hürdenlauf), Bernd König (erster 7 m-Weitspringer im Kreis), Fred Skerbis (erster Jugend-Westfalenmeister aus dem Kreis). Herausragender Langstreckler ist Arthur Lehrke (Neubeckum/Wadersloh). Erste Ansätze der Mädchen-Leichtathletik in mehreren Vereinen. Erste größere Wettkämpfe auf dem Ahlener Lindensportplatz. Es finden bereits verschiedene Westfalenmeisterschaften (1965 auf Initiative von Dieter Massin die ersten westfäl. B-Jugend- Meisterschaften, bei denen den 100m-Lauf der Mädchen die spätere Olympiasiegerin Annegret Richter gewann) und die jährlichen "Bahnwettkämpfe" des SSV Westfalia Ahlen statt.
1967 sind die westfälischen Waldlaufmeisterschaften in der Ahlener Langst (Sieger: Harald Norpoth) und in Heessen die ersten deutschen Jugend-Mehrkampf- Meisterschaften.
Die Brüder Massin machen den SSV Westfalia Ahlen zum leistungsstärksten Verein der Region. Auch in Beckum (Ewald Edelmeier u. Bernhard Stuchtey), Oelde (Franz Vienken), Heessen (Walter Dehmel) und Wadersloh (K.-H. Bornefeld) bestehen aktive Abteilungen. 1966 wird Dieter Massin zum KLO gewählt, Kampfrichterwart ist Paul Neumann (Ahlen).

die siebziger Jahre

Das Sportliche Die Veranstaltungen Die Vereine / die Funktionäre
Der Leistungssport konzentriert sich zunehmend auf Ahlen. Viele Westfalen- und westdeutsche Titel und 1973 die erste nationale Meisterschaft durch Thomas Steiner (Deutscher Schülermeister 100m).
Die LG Ahlen-Heessen ist bei fast allen Deutschen Meisterschaften mit ihren Jugendlichen und Schülern vertreten.
Herausragende Athleten: Hans Brinkrolf, Hans-D. Steinbuß u. Uwe Jaschinski (alle Stabhoch), Jochen Steinhagen (Weitsprung), Peter Adrian (400 m), Reiner Krimphove (400m), Thomas Wibbecke (Sprint), Günter Hauck (Wurf/Mehrkampf), Dietmar Kunkel (an einem Wochenende fünfmal Westfalenmeister), Roland Hartmann (Hoch), im weiblichen Bereich die vielfache deutsche Seniorenmeisterin Inge Pfeiffer (Langstrecke, zweifache Senioren-Europameisterin 1978), Michaele Schulz (Diskus) und Ute Johanning (Hoch).
Im TV Jahn Oelde sorgen eine Mädchen-Sprintstaffel und Mittelstreckler Knut Vollenbröker für Aufsehen, in Beckum die Frauen-Laufmannschaft um Christa Stedtler und Gerda-Marie Schäpers.
Weil im Kreis noch keine Kunststoffbahn besteht, werden weniger Westfalen- meisterschaften ausgetragen, aber mehrere Bezirks-Crossläufe in der Langst und westdeutsche Straßenlauf- und Gehermeisterschaften in Ahlen - Oestrich.
Auf dem Lindensportplatz finden 1972, 1974 und 1976 große int. Meetings mit Olympiasiegern und Weltrekordlern statt. Annegret Richter läuft 1976 vor 3000 Zuschauern mit 11,0 Sek. die schnellste Zeit einer Frau auf einer Aschenbahn.
1978 findet auf dem Sportplatz in Waders- loh der erste westfäl. B-Schüler-DSMM- Endkampf statt. Ausrichter ist der SV Westfalen Liesborn.
Erste Volksläufe in Ahlen, Oelde und Beckum, der Laufboom beginnt auch im Kreis Beckum. Die ersten Lauf-TREFFS werden gegründet.
Anfang 1970 schließen sich der SSV Westf. Ahlen und der TuS 01 Heessen zur LG Ahlen-Heessen zusammen (bis einschl. 1974), die schnell zu einem der stärksten Vereine Westfalens wird. Nach der Trennung wird die LG Ahlen gegründet, später mit TuS 59 Hamm die LG Ahlen- Hamm.
In Beckum besteht viele Jahre die LG Beckum (TV Beckum, TV Neubeckum und SG Rote Erde), in Wadersloh die LG Liesborn/Wadersloh (SV Westf. Liesborn u. TuS Wadersloh).
1975 scheidet im Zuge der kommunalen Neuordnung der TuS 01 Heessen aus dem Kreis Beckum aus.
1977 wird Eberhard Vollmer (Ahlen) zum KLO gewählt (seit 1971 Sport- und Jugendwart), der 1979 wegen seiner hauptamtlichen Tätigkeit beim FLVW zurücktreten muss. Neuer KLO wird  Karl-Heinz Bornefeld (Wadersloh).

die achtziger Jahre

Das Sportliche Die Veranstaltungen Die Vereine / die Funktionäre
Das erfolgreichste Jahrzehnt in der Geschichte der Leichtathletik im Kreis Beckum. Viele Platzierungen bei Deut- schen Meisterschaften und Berufungen in die Nationalmannschaft machen den Kreis zu einem der leistungsstärksten in Westfalen. Christian Thomas (Weitsprung), Jürgen Streckert (Speerwurf), Jürgen Fabian (Langstrecke) und Manfred Kreutz (Gehen) sind herausragende Athleten.  1982 wird das Stadion Sportpark Nord in Ahlen gebaut, bereits im Rohbau finden die deutschen Gehermeisterschaften statt, von da an jährlich mindestens eine DLV- Veranstaltung in Ahlen. 1983 sind auf dem Gelände der Westfalenkaserne die deutschen Crossmeisterschaften (Jugend-Sieger: Dieter Baumann), 1984 die Mehrkampf-DM mit Sabine Braun, G. Kratschmer, Siggi Wentz.
In Beckum entwickeln die Brüder Ingo und Uwe Rieping die im gesamten DLV gebräuchlichen Computerprogramme zur Wettkampf-Abwicklung.
Fünf Jahre besteht eine Veranstaltung, die sich Dieter Massin ausgedacht hat, die "Mammutiade" jährlich zu Pfingsten. Sie ist schließlich eines der größten deutschen Jugendsportfeste.
Die LG Beckum und die LG Liesborn/ Wadersloh lösen sich auf, in Ahlen wechseln die Leichtathleten von der ASV zum ASC, bleiben aber weiterhin in der LG Ahlen-Hamm.
K.-H. Bornefeld sorgt für Ruhe unter den Funktionären des Kreises. Dieter Masin wird Schulsport- Beauftragter des FLVW, Eberhard Vollmer wechselt vom FLVW zum DLV nach Darmstadt. Ahlens Sportamtsleiter Gerd Rega wird Kampfrichter-Lehrwart des FLVW.

die neunziger Jahre

Das Sportliche Die Veranstaltungen Die Vereine / die Funktionäre
Obwohl immer wieder einzelne Athleten mit Top-Leistungen überzeugen, gibt es in der Breite einen Leistungsrückgang. Sogar international mitreden können zwei Seniorensportler, die jeweils Europa- meister werden: Christa Stedtler (Hürden) und Peter Wechler (Marathon).
In Enniger gibt es durch die Aufbauarbeit von Bodo und Holger Stein mehrere Talente mit Platzierungen in der DLV- Bestenliste, in Ahlen erringt eine Mädchen-Laufgruppe mehrere DM-Medaillen. Fast alle Vereine und LGs des Kreises sind bei Westfalenmeisterschaften vertreten.
Weiterhin finden jedes Jahr Deutsche Meisterschaften im Sportpark Nord statt, so die Mehrkampf-DM 1992, die Junioren- DM 1994 und die erste gemeinsame Schüler-Mehrkampf- und Blockwettkampf- DM 1999. Erstmals ist auch Oelde Austragungsort einer DM, nämlich der Marathon-DM 1991. Bei einem Hochsprung-Meeting 1992 überspringt Heike Henkel in Ahlen 2,00 m und gewinnt vor Weltrekordlerin Stefka Kostadinowa.
Ahlen entwickelt sich zu einem der gefragtesten Mehrkampf-Veranstalter. Der jährliche Jedermann-Zehnkampf hat jeweils mehr als 200 Teilnehmer (1996 schafft Mona Steigauf einen Weltrekord im Frauen-Zehnkampf). Der Oelder City-Lauf ist einer der Top- Straßenläufe in Westfalen.
1998 wird die Kunststoffbahn in Beckum fertiggestellt, 1999 die Kunststoffbahn in Oelde, vorher konnte der Kreis bereits seit 1994 die Kunststoffbahn in Herzfeld nutzen.
TV Jahn Oelde und TuS Wadersloh schließen sich zur LG Oelde/Wadersloh zusammen und überzeugen durch ein breites Angebot in allen Disziplinblöcken.
In Ahlen entsteht bei Blauweiß (später LR) eine starke Läufergruppe, die gemeinsam mit dem SC Relax eine neue LG Ahlen bildet. Ende 2000 schließen sich alle Ahlener Leichtathletik-Vereine zur LG Ahlen 01 zusammen.

1992 wird Helmut Dieckmann (LV Oelde) zum KLO gewählt, Karl-Heinz Bornefeld behält die Verantwortung für die Finanzen. Dieter Massin wird 1993 zum Breitensportwart des DLV gewählt, später auch in die Senioren-Kommission des Weltverbandes IAAF und zum Vizepräsidenten des europäischen Senioren-Verbandes EVAA.
Hubert Funke (Wadersloh) ist hauptamtlicher Landestrainer des FLVW.
 

das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts

Von Jahr zu Jahr geht es mit den Platzierungen bei Meisterschaften und in Bestenlisten aufwärts.
Im Jahr 2003 sind Sprinter Matthias Hendricks (Liesborn) und Weitspringerin Annika Krull (TV Beckum) die besten Leichtathleten im Sportkreis Beckum. Beide wechseln Ende 2004 allerdings zu auswärtigen Großvereinen.
Christa Stedtler (TV Neubeckum) und Manfred Kreutz (LG Ahlen) sind mehrfache Sieger bei internationalen Seniorenmeisterschaften.
Von 2006 bis 2010 sind vor allem Senioren-Geher Manfred Kreutz und Ultramarathonläuferin Barbara Mallmann (beide LG Ahlen) die national und international am besten platzierten Leichtathleten des Kreises. Während immer weniger Jugendliche bei DM und in der DLV-Bestenliste zu finden sind, können sich die Straßenläufer/innen (insbesondere vom LV Oelde) von Jahr zu Jahr weiter nach vorn laufen.
Ab 2001 organisiert der TV Beckum jährlich ein internationales Stabhochsprung-Meeting der Frauen mit Weltklasse-Beteiligung.
Mit den "Großen" Kreismeisterschaften, bei denen alle Klassen und fast alle Disziplinen an einem Tag ausgetragen werden, werden gute Erfahrungen gemacht. Die weniger nachgefragten Disziplinen werden bei den "kleinen" Kreismeisterschaten ausgetragen.
Nach langen Diskussionen entscheiden die Vereine auf Anregung des KLA, dass der Kreis Beckum ab 2006 nicht mehr an den "Bezirks"meisterschaften von Westfalen-Mitte teilnimmt und zum Münsterland wechselt. 2010 finden die Münsterland- Meisterschaften erstmals im Kreis statt.
Mit der vielgelobten Ausrichtung der westdeutschen Halbmarathon-Meisterschaft 2009 bringt sich der LV Oelde als Ausrichter größrer Straßen-Meisterschaften ins Gespräch und bekommt die DM im 10-km-Lauf 2010 übertragen. In Ahlen findet 2010 die 25. DLV-Meisterschaft statt.
Hubert Funke wird nach seinem Auscheiden als hauptamtlicher Mitarbeiter 2001 zum ehrenamtlichen Sportwart des FLVW gewählt.
2002 wird Dieter Massin zum Präsidenten der EVAA gewählt. 2005 kandidiert er nicht wieder für das DLV-Präsidium. 2009 wird er für seine Verdienste um die Leichtathletik mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Im Januar 2004 stellt Helmut Dieckmann sich nicht mehr zur Wiederwahl. Neuer Vorsitzender des KLA wird Eberhard Vollmer. Er wird 2009 in die Kommission "Information und Kommunikation" des FLVW berufen.
2009 zeiht sich Helmut Dieckmann ganz aus dem KLA zurück.
2010 spricht sich die Mehrheit der Vereine dafür aus, die "kleinen Kreismeisterschaften" wieder abzuschaffen und auch keine auf Vereinssportfeste ausgelagerte Kreismeisterschaftswertungen mehr durchzuführen.

Diese Zusammenstellung soll nur einen Aufriss der Leichtathletik im Kreis in den letzten 60 Jahren zeigen und kann nicht vollständig sein. Viele Athleten, Trainer und Funktionäre, die große Verdienste haben,  konnten nicht genannt werden. Für Hinweise und Anregungen zur Vervollständigung ist der Autor dankbar!

                         
        Foto vom 5.6.2004                                                                                                                     Foto: Stefan Schwenke

Foto links: Die Kreis-Leichtathletik-Obleute der letzten Jahrzehnte (v.l.n.r.): Dieter Massin (Ahlen), Karl-Heinz Bornefeld (Wadersloh), Helmut Dieckmann (Oelde), Eberhard Vollmer (Ahlen)
Foto rechts: Das jährliche internationale Frauen-Stabhochsprung-Meeting in Beckum ist die bedeutendste Leistungssport-Veranstaltung im Kreis.